Geboren in der Stadt, die zu Auschwitz wurde

Language: German

Dieses Video ist ein herunterladbarer Zusammenschnitt von mehreren Zeitzeugen-Interviews des USC Shoah Foundation Visual History Archivs, welche mit jüdischen Überlebenden geführt wurden, die in der polnischen Stadt Oświęcim geboren wurden und aufgewachsen sind. Heute kennt man Oświęcim als eine Stadt, die von dem Lagerkomplex Auschwitz gezeichnet ist.

Vor der Errichtung des Lagerkomplexes Auschwitz, existierte in der Stadt Oświęcim jedoch eine blühende und vielfältige jüdische Gemeinde. Durch Erzählungen von Personen, die selbst dort aufgewachsen sind, bietet das Video einen Einblick in dieses oft übersehene Element der Geschichte der Stadt.

Laufzeit: 28 Minuten

Die Stadt Oświęcim (Polen)

Koordinaten: 50º02'N 19º16'E

Die Existenz der Stadt geht mindestens auf das 12. Jahrhundert zurück. Im Zuge der Teilung Polens im Jahr 1772 wurde die Stadt in die österreichische Habsburgermonarchie integriert und erst nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wieder ein Teil Polens. In dieser Zeit wurde Oświęcim zu einem Industriezentrum und einem wichtigen Eisenbahnknotenpunkt. Im Jahr 1921 lebten in Oświęcim 4.950 Juden, wobei die Anzahl bis zu dem Beginn des Zweiten Weltkrieges auf 8.000 anstieg, wodurch zu dieser Zeit mehr als die Hälfte der Bevölkerung Oświęcims jüdisch war. Direkt nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde Oświęcim von deutschen Truppen okkupiert und im Oktober 1939 an das Großdeutsche Reich angeschlossen.

Der Lagerkomplex Auschwitz, der in und nahe der Stadt Oświęcim errichtet wurde, war der größte Komplex von Konzentrations- und Vernichtungslagern, der von Deutschland während des Zweiten Weltkrieges in dem besetzten Polen errichtet wurde. Der Lagerkomplex beinhaltete Auschwitz I, Auschwitz II-Birkenau, Auschwitz III-Monowitz (Buna) und mehr als 45 Nebenlager. Schätzungen zufolge wurden insgesamt zwischen 1,1 und 1,6 Millionen Menschen, vorwiegend jüdische Männer, Frauen und Kinder, in Auschwitz ermordet, davon fast alle in den Gaskammern von Auschwitz II-Birkenau.

Sowohl die Stadt Oświęcim als auch der Lagerkomplex Auschwitz wurden am 27. Januar 1945 von sowjetischen Truppen befreit.

Kurzbiografien

Mark Bader

1927 in Oświęcim geboren, überlebte er das Ghetto in Sosnowiec und die Konzentrationslager Auschwitz, Fünfteichen, Groß-Rosen, Hersbruck und Dachau. Er wurde 1996 in Los Angeles, USA, interviewt.

Lola Fuchs

Sie wurde 1928 in Oświęcim als Lola Leah Silbiger geboren. Ihre Familie gehörte zu der chassidischen Gruppe Bobov. Sie überlebte das Ghetto in Bedzin und die Konzentrationslager Breslau, Peterswaldau und Langenbielau. Ihr Interview wurde 2001 in Ocean, New Jersey, USA, aufgezeichnet.

Jacob Geldwert

Er wurde 1921 in Oświęcim geboren und überlebte das Ghetto in Sosnowiec sowie die Konzentrationslager Blechhammer, Sackenhoym, Buchenwald, Erfurt, Groß-Rosen und Halberstadt-Zwieberge. Sein Interview wurde 1996 in Ithaca, New York, USA, aufgenommen.

Mania Kay

Mania Kay wurde 1920 als Mania Miriam Bodner in Oświęcim geboren. Sie überlebte das Ghetto in Sosnowiec, das Vernichtungslager Ausschwitz II-Birkenau, sowie die Konzentrationslager Bobrek, Gleiwitz und Bergen-Belsen. Sie wurde 1995 in Kitchener, Ontario, Kanada, interviewt.

Alex Reifer

1921 in Oświęcim geboren, wuchs er bei den Bobover Chassidim auf. Nachdem Deutschland Polen angegriffen hatte, floh er mit seiner Familie Richtung Osten und obwohl seine Familie wieder nach Oświęcim zurückkehrte, blieb er im sowjetisch kontrollierten Bereich Polens. Dort wurde er von sowjetischen Befehlshabern beauftragt in den Städten Sorokino und Voroshilovgrad, welche Teil der Sowjetunion waren, zu arbeiten. Als Deutschland dann die Sowjetunion angriff, wurde er in die sowjetische Armee eingezogen, für die er als Nachrichtenoffizier tätig war. In dieser Position verdiente er sich Auszeichnungen und folgte der Front bis nach Berlin. Sein Interview wurde 1996 in Sherman Oaks, Califonia, USA, aufgezeichnet.  

Samuel Silbiger Falsehaber 

Er wurde 1923 in Auschwitz geboren und überlebte die Konzentrationslager Blechhammer, Berga/Elster, Buchenwald, St. Annaberg, Groß-Rosen und Dachau. Er wurde während eines Todesmarsches in der Nähe von Mittenwald befreit. Sein Interview wurde 1997 in Atlanta, Georgia, USA, aufgenommen.

Ben Sonnenschein

Ben Sonnenschein wurde 1925 in Oświęcim geboren und überlebte die Ghettos in Bedzin und Sosnowiec sowie die Konzentrationslager Blechhammer, Kattowitz, Dyhernfurth und Langenbielau I. Er wurde 1996 in Aventura, Floria, USA, interviewt.

Edward Spett

1928 als Ignatz Spett in Oświęcim geboren, überlebte  er die Ghettos in Sosnowiec und die Konzentrationslager Blechhammer, Sakrau, Ohrdurf, Gräditz, Faulbrück, Groß-Rosen, Klettendorf und Buchenwald. Sein Interview wurde 1996 in Wyckoff, New Jersey, USA, aufgezeichnet

Saba Wainapel

Sie wurde 1918 in Oświęcim als Shprintza Reinhold Wulkan geboren, überlebte die Ghettos in Krakow und Radom und arbeitete für den zionistischen Untergrund. Im Anschluss daran überlebte sie die Konzentrationslager Auschwitz und Blizyn. Ihr Interview wurde 1995 in South Fallsburg, New York, USA, aufgezeichnet.

Zusätzliche Quellen auf Englisch:

Glossar

Bar Mitzwa, auch Bar Mizwa

Im Judentum das Ritual zur Erreichung der religiösen Mündigkeit, manchmal auch als eine jüdische Konfirmation beschrieben.

Bet Midrasch

Ein jüdischer Studiensaal in einer Synagoge, einer Jeschiwa oder in einem anderen Gebäude. Wird oft auch für Gemeinschaftsgebete genützt.

Bobover Chassidismus

Aus der Stadt Bobowa (Polen), nahe Gorlice, stammend, wurde der Bobover Chassidismus von R. Solomon ben, Sohn von Meyer Nathan und Enkel von Hayyim ben Leibush Halberstam, gegründet.

Cheder

Traditionelle jüdische Grundschule, in der die Grundlagen des Judentums und der hebräischen Sprache gelehrt werden.

Hachschara

Intensives landwirtschaftliches Training, welches von der zionistischen Bewegung für Immigranten nach Palästina organisiert wurde, um sie auf ein Leben in den den Kibbuzim vorzubereiten.

Chassid

Angehöriger eines Zweiges des orthodoxen Judentums, in welchem Spiritualität eine wichtige Rolle spielt. Der Chassidismus wurde im 18. Jahrhundert als eine Antwort auf ein übertrieben legalistisches Judentum gegründet, wobei jede chassidische Dynastie von einem eigenen Rebbe geführt wird und ihre eigenen Prinzipien hat. Demnach ist das chassidische Judentum nicht eine einzige Bewegung, sondern eine Zusammenfassung mehrerer, separater Bewegungen mit einigen Gemeinsamkeiten.

Kibbuz

Eine kollektive Gemeinde zionistischer Vorreiter, welche herkömmlicherweise auf Landwirtschaft basiert.

Peot, auch Beikeles

Schläfenlocken, werden von manchen Männern und Jungen in othodoxen jüdischen Gemeinden getragen.

Pessach, auch Pascha

"Vorüberschreiten", ein biblischer jüdischer Feiertag.

Rosch ha-Schana

Der jüdische Neujahrstag

Rebbe

Rabbiner oder Lehrer, in der chassidischen Tradition ist er das Oberhaupt der jeweiligen chassidischen Bewegung

Schtiebel

Ein weniger formeller Platz, welcher für gemeinschaftliche jüdische Gebete verwendet wird.

Schul

Ein jiddisches Wort für Synagoge, welches ihre Rolle als Ort des Lernens betont. Eine Schule.

Jeschiwa

Eine jüdische Bildungseinrichtung, die sich auf das Studium traditioneller religiöser Texte konzentriert.